Robert Hoyzer: was der Bundesgerichtshof zum Wettskandal festgestellt hat
Kurz gesagt
Der Bundesgerichtshof hat am 15.12.2006 die Urteile im sogenannten Fußballwettskandal bestätigt. Der Schiedsrichter Robert Hoyzer wurde wegen Beihilfe zum Betrug in sechs Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt, der Schaden für Wettanbieter belief sich auf rund 2 Mio. Euro. Diese Angaben stammen aus der damaligen Pressemitteilung Nr. 174/2006. Lesen Sie nach, wer genau verurteilt wurde und wie der Bundesgerichtshof den Betrug begründete.
Was hat das Landgericht Berlin festgestellt?
Der Bundesgerichtshof gibt die Feststellungen des Landgerichts so wieder: „Nach den Feststellungen des Landgerichts plazierte der Angeklagte Ante S. verschiedene Wetten auf von ihm manipulierte Fußballspiele. Er gewann die Fußballschiedsrichter Hoyzer und Marks durch Zahlung erheblicher Geldbeträge dazu, dass sie durch bewusste Fehlentscheidungen den Ausgang von ihnen geleiteter Fußballspiele manipulierten, um so Ante S. hohe Wettgewinne zu ermöglichen. In einem Fall half Hoyzer, den Schiedsrichter Marks für derartige Manipulationen zu gewinnen.“
Später heißt es: „In vier Fällen gewann Ante S. mit den Wetten ganz erhebliche Beträge (insgesamt etwa 2 Mio. Euro). In sechs weiteren Fällen wurden die Wetten verloren, weil das manipulierte oder ein in Kombination gewettetes Spiel anders als gewettet ausging.“
Wer wurde verurteilt?
| Angeklagter laut BGH | Tat | Strafe |
|---|---|---|
| Ante S. | Betrug in zehn Fällen | Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten |
| Robert Hoyzer, Fußballschiedsrichter | Beihilfe zum Betrug in sechs Fällen | Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten |
| Dominik Marks, Schiedsrichter, und zwei Brüder des Ante S. | Beteiligung an mehreren Fällen des Betruges | Bewährungsstrafen |
| Steffen Karl, Fußballspieler, in einem abgetrennten Verfahren | Beihilfe zum Betrug | Bewährungsstrafe |
Der Bundesgerichtshof schreibt: „Der Bundesgerichtshof hat daher sämtliche Strafen bestätigt.“ Die Aktenzeichen lauten 5 StR 181/06 und 182/06.
Warum ist eine Wette auf ein manipuliertes Spiel Betrug?
Die Verteidigung und auch die Bundesanwaltschaft hatten laut Pressemitteilung Freispruch beantragt. Der Bundesgerichtshof sah das anders: „Bei Abschluss eines Wettvertrages erklärt der Wettende schlüssig, dass er die Spiele, auf die er gewettet hat, nicht manipuliert habe.“
Schaden schon beim Abschluss der Wette
Der Bundesgerichtshof hat „in allen Fällen einen vollendeten Eingehungsbetrug zu Lasten der Wettveranstalter angenommen“. Den Schaden sah er darin, „dass durch die Manipulation der Spiele das Wettrisiko ganz erheblich zu Ungunsten der Wettveranstalter verschoben wurde“.
Als strafschärfend nennt der Bundesgerichtshof unter anderem, dass „das Vertrauen der sportinteressierten Öffentlichkeit in die Fairness des Fußballsports und die Unparteilichkeit der Schiedsrichter“ massiv erschüttert wurde.
Was stand früher auf dieser Seite?
Frühere Angaben auf dieser Seite
Ein älterer Artikel auf dieser Seite nannte einzelne Spiele, einen Treffpunkt in Berlin, Sperren des Verbands und für den Angeklagten Ante Sapina ein Strafmaß von zwei Jahren und acht Monaten. Die Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs nennt für den Angeklagten Ante S. zwei Jahre und elf Monate. Für die übrigen Angaben habe ich keine amtliche Quelle gefunden. Sie stehen deshalb nicht mehr hier.
Was gilt heute?
Heute gibt es im Strafgesetzbuch eigene Vorschriften zu Sportwettbetrug und zur Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe, die §§ 265c bis 265e. Den Gesetzentwurf dazu hat die Bundesregierung am 20.06.2016 vorgelegt. Was die Vorschriften regeln, steht auf der Seite Wettbetrug: Formen, Fälle, Folgen.